Interview mit Dimitri Strauch

Kurz vor den Handball-Stadtmeisterschaften und gut 4 Wochen vor Saisonbeginn fanden wir es mal an der Zeit aus unserem Coach der 1. Handballherren, Dimitri Strauch, eine Einschätzung der Gesamtlage und einen Einblick seiner aktuellen Gefühlslage in einem Interview herauszukitzeln:

In der letzten Saison ist alles in allem nur ein 9. Tabellenplatz herausgesprungen. Wenn man Außenstehende gefragt hat, stieß man immer wieder auf Unverständnis, da sie in der Mannschaft doch ein höheres Potenzial gesehen haben. Wie ist dein Resumee dazu, woran hat es letztendlich gelegen?

Wir haben in der vergangenen Spielzeit zwei Gesichter gezeigt. Wir waren durchaus im Stande jeden Gegner zu schlagen, wenn alles stimmte. Aber leider haben wir auch gegen praktisch jeden Gegner Federn lassen können, sobald wir aus der Spur gerieten und unser Spiel nicht über 60 Minuten durchhielten. Zudem waren wir sehr abhängig von einzelnen Spielern und ab dem Zeitpunkt von Moritz Ausfall fiel es uns extrem schwer die klaffende Lücke sowohl vorne wie hinten zu schließen.
Wir waren auch ganz gut gestartet. Jedoch nach den ersten Rückschlägen in Witten hatten wir Probleme den Anschluss an das obere Drittel der Tabelle zu halten. Zum Ende der Hinrunde begann dann der sportliche Tiefpunkt, den wir eigentlich erst in den finalen Phasen der Saison abschütteln konnten und alte Stärken wiederfanden. Abschließend kann man halt sagen, dass die Inkonstanz unser Verhängnis wurde und um in dieser im Leistungsniveau so engen Dortmunder Kreisliga zu bestehen, muss man konstant funktionieren, um eine Chance zu haben im oberen Drittel mitzuspielen.

Mit Artjom Hauk und Moritz Ridder hat die TSG immenses Potenzial ziehen lassen müssen. Wie sehr schmerzt dich der Verlust dieser beiden bisherigen Leistungsträger?

Die beiden sind natürlich ein herber Verlust. Sowohl auf dem Platz als auch menschlich fürs Team. Arty war ein überragender Vizekapitän und über seine sportlichen Qualitäten brauchen wir eigentlich an dieser Stelle keine Worte verlieren. Es reicht ein Blick auf die Torschützenliste und für meine Begriffe ist er mit Abstand der beste Kreisläufer der Kreisliga Dortmund der letzten drei Spielzeiten!
Aber auch Moritz war stets ein wertvoller Teil der Mannschaft. Er war unser gefährlichster Rückraumspieler und eine absolute Säule im Mittelblock. Sein verletzungsbedingter Ausfall hat uns ja bereits in der vergangenen Saison extrem schwer getroffen und gezeigt, wie groß der Abgang schmerzen wird. Ich wünsche beiden, dass sich ihre Ziele erfüllen und bin davon überzeugt, dass sie ihren Weg erfolgreich beschreiten werden und noch nicht am Ende ihres Entwicklungspotentials sind.
Ich sehe in den beiden Abgängen dieser Kreisligaschwergewichte aber auch eine Chance für andere Spieler aus dem Schatten der beiden rauszutreten und entsprechend unser Team zu verstärken bzw. weiter zu entwickeln.

Dem gegenüber steht dir wiederum mit insgesamt 9 Neuzugängen ein Portfolio an Spielern zur Verfügung, was es so bei der TSG schon seit Jahren nicht mehr gegeben hat. Wie siehst du diese Entwicklung?

Mit dieser Entwicklung geht eine neue Aufgabe für mich und mein Trainerteam einher, denn es gilt jetzt das Maximum aus diesem üppigen Kader zu holen. Zudem ergeben sich taktisch nun ganz neue Möglichkeiten, da wir so unheimlich viele verschiedene Spielertypen versammeln konnten und nun sicherlich sehr viel schwerer ausrechenbar sind. Ich führe nun schon seit Anfang des Jahres Gespräche mit Spielern, um das Team weiter zu bringen und freue mich nun umso mehr, dass die Spielerakquise so erfolgreich lief und bereits damit das erste Honorar für die viele Arbeit einging und ich eben aus dieser Entwicklung nicht nur Bestätigung für unsere Mühen sehe, sondern auch viel Kraft schöpfen kann. Ich gehe nun bewusst nicht noch auf einzelne Spieler ein. Nicht nur weil es den Rahmen sprengen würde, sondern ich möchte alle hiermit rechtherzlich einladen, die Jungs in Aktion zu erleben. So viel sei gesagt, es lohnt sich!

Seit gut 2 Monaten läuft bereits die Vorbereitung und die darin enthaltenen Testspiele haben schon erste Eindrücke vermitteln lassen, was der Kader im Stande ist leisten zu können. Wie zufrieden bist du mit der bisherigen Vorbereitung?

Ich bin bislang unheimlich zufrieden mit dem Verlauf der Vorbereitung und auch mit den absolvierten Testspielen. Wir liegen inhaltlich sehr gut in der Zeit und schaffen konstant unsere Planung abzuarbeiten. Allerdings war ich das in den vergangenen beiden Jahren auch schon weitesgehend und war anschließend relativ enttäuscht, dass nicht mehr daraus heraussprang. Ich habe gelernt, dass kein Training und kein Testspiel ein richtiges Punktspiel zu 100% simulieren kann. Es dient lediglich dazu sich wortwörtlich auf den Härtefall vorzubereiten. Eine Sache ist jedoch etwas anders als in den vergangenen Jahren. Das immens enge Leistungsniveau unserer Spieler und das trotz des unheimlich großen Vorbereitungskaders. Dieser Fakt lässt mich positiver den je in die kommende Spielzeit blicken und auch ich bin schon genau so heiß drauf mich mit den Gegnern zu messen, wie jeder einzelne unserer Schürener Jungs.

Jetzt kommen wir mal zu den gesteckten Zielen. Das am Ende ein besserer Tabellenplatz als letzte Saison rausspringen sollte, davon geht das ganze TSG-Umfeld bei dem vorhandenen Potential aus. Aber wie sehen deine ganz persönlichen Ziele mit der Mannschaft für die nächste  Saison aus?

Ich versuche die überschwängliche Euphorie etwas auszublenden, da ich großen Respekt vor der Liga habe. Ich glaube zu wissen was die Gegner zu leisten im Stande sind, aber auch mich hats gepackt und ich freue mich darauf Allen unsere neuen Stärken zu präsentieren. Ich glaube absolut an unser Team und besagte Stärken, sodass ich fest mit einem Tabellenplatz im oberen Drittel rechne, sollten wir das Glück haben vom Verletzungspech verschont zu werden.

Was sind in deinen Augen die Topfavoriten um den Aufstieg?

 Ich denke, dass Husen ein absoluter Topfavorit ist. Sie haben individuell ein paar der stärksten Spieler der Liga und spielen nun schon einige Zeit zusammen, sodass ihre Routine ein Faktor werden könnte.
Ruhrtal ist in meinen Augen ebenfalls sehr stark, weil sie eine sehr geringe Fehlerquote aufweisen und handballerisch sehr einheitlich agieren. Das gepaart mit einer sehr großen Heimstärke oder nennen wir es vielleicht auch Auswärtsschwäche der anderen in der Jahnhalle, macht sie zu einem Topfavoriten.
Der Dritte im Bunde ist Mengede. Auch in diesem Fall ist es unheimlich schwer in der Halle Nette zu gewinnen. Ich schätze die Arbeit sehr, die dort geleistet wird und habe den Eindruck, dass dort viele fähige Leute am Werk sind.
Ein kleiner Geheimtipp ist auch Höchsten 2, da man sich nie sicher sein kann, wer da aufläuft, die Jungs da schöpfen scheinbar auch aus einem unheimlich großen Spielerpool mit guten individuellen Fähigkeiten, was sie absolut unberechenbar und damit schwer zu schlagen macht.
Abschließend will ich auch noch die beiden Aufsteiger nicht unerwähnt lassen, sie haben zwar wenig Chancen oben anzugreifen und sind alles andere als Topfavoriten.Dennoch glaube ich, dass man sie auf keinen Fall unterschätzen darf und ich habe das Gefühl, dass es sich bei den beiden, um die stärksten Aufsteiger seit Jahren handeln könnte.

 Als letzter großer Test stehen nun die Stadtmeisterschaften vor der Tür. Mit welchen Ambitionen gehst du in diesen alljährlichen Höhepunkt der Dortmunder Handballszene?

Seit ich die erste Mannschaft trainiere ist es uns jedes Mal gelungen die Qualifikationsrunde zu überstehen. Also betrachte ich auch diesem Jahr das Erreichen der Vorrunde als unser erklärtes Ziel.
In der Vorrunde erhält man dann die Chance sich mit höherklassigen Mannschaften zu messen. Ich bin davon überzeugt, dass Mannschaften durch solche Gelegenheiten wachsen können und auch dieses Jahr möchte ich, dass meine Mannschaft das Maximum aus ihren aktuellen Möglichkeiten holt!
Leider habe ich auch festgestellt, dass nicht jeder Kreisligist so denkt. In den vergangenen Jahren gab es immer mal wieder Mannschaften, die nicht das Bestmögliche gezeigt haben. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Ich weiß nicht ob man sich einfach nicht in die Karten schauen lassen will oder vielleicht die geringe Chance auf ein Halbfinal oder besser ein Grund sein könnte. Ich finde das bedauernswert, da diese Herangehensweise die Grundidee dieser ansonsten so tollen Veranstaltung untergräbt.

Wir sagen herzlichen Dank Dimi für diesen kurzen Einblick zum Status Quo der 1. Herrenmannschaft. Wir wünschen dir und natürlich deiner Mannschaft den bestmöglichen Erfolg für nächste Saison.